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Die 10 bemerkenswertesten Gletscher in Ecuador

Ecuador liegt auf dem Äquator, und dennoch tragen mehrere seiner Vulkangipfel dauerhaftes Gletschereis. Diese scheinbare Widersprüchlichkeit löst sich auf, wenn man die Höhen bedenkt: Cotapaxi, Chimborazo und Cayambe erheben sich auf über 5.000 Meter über dem Meeresspiegel und sind damit in Klimazonen, in denen die mittlere Jahrestemperatur weit unter dem Gefrierpunkt liegt. Die tropischen Gletscher Ecuadors sind jedoch gleichzeitig die am stärksten bedrohten weltweit — sie reagieren besonders sensibel auf die Erwärmung, weil auf dem Äquator der jahreszeitliche Temperaturzyklus fehlt, der auf Breitengraden nördlich und südlich für einen natürlichen Rhythmus aus Akkumulation und Ablation sorgt. Auf der Karte sind alle ecuadorianischen Gletschergipfel erfasst.

1. Chimborazo-Gletscher, Chimborazo-Provinz

Der Chimborazo (6.263 m) ist der höchste Gipfel Ecuadors und der dem Erdmittelpunkt am weitesten entfernte Punkt der Erde — dank der äquatorialen Abplattung unseres Planeten. Seine Hänge sind von mehreren Gletscherzungen bedeckt, darunter der Thielman-, der Reschreiter- und der Whymper-Gletscher. Der britische Bergsteiger Edward Whymper war 1880 Erstbesteiger des Chimborazo und beschrieb die Gletscherbedingungen in seinen Berichten ausführlich. Seither haben die Gletscher erheblich an Fläche verloren. Einheimische Träger- und Wassergewinnungsgemeinschaften sind traditionell auf das Schmelzwasser des Chimborazo angewiesen.

2. Cotopaxi-Gletscher, Cotopaxi-Provinz

Der Cotopaxi (5.897 m) ist einer der aktivsten Vulkane der Erde und trägt trotz seiner vulkanischen Aktivität permanentes Gletschereis. Die Kombination aus aktivem Vulkanismus und Gletscherbedeckung ist gefährlich: Bei Ausbrüchen können Lahare entstehen — vulkanische Schlammströme, die durch die rasche Schmelze des Gletschereises ausgelöst werden. Der Ausbruch von 2015 führte zur teilweisen Evakuierung der umliegenden Region. Die Gletscher des Cotopaxi sind trotz des Rückzugs noch beeindruckend — das symmetrische Eiskleid des Vulkankegels ist eines der ikonischsten Bilder der ecuadorianischen Anden.

3. Cayambe-Gletscher, Pichincha-Provinz

Der Cayambe (5.790 m) ist der einzige Hochgipfel der Welt, der genau auf dem Äquator liegt und Gletschereis trägt. Diese geografische Besonderheit macht ihn wissenschaftlich interessant: Messreihen am Cayambe erlauben Rückschlüsse auf die Klimaentwicklung genau an der Äquatoriallinie. Die Gletscher des Cayambe versorgen Teile der Wasserversorgung von Cayambe und umliegenden Gemeinden. Bergsteiger schätzen den Cayambe als technisch anspruchsvolle Tour, die über ein gut ausgebautes Hüttensystem erschlossen ist.

4. Antisana-Gletscher, Napo-Provinz

Der Antisana (5.758 m) liegt östlich von Quito und ist bekannt für seine ausgedehnten, spektakulären Gletscherflächen. Der Gletscher 15, einer der Zungen des Antisana, ist Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Beobachtung durch das Institut für Geophysik der Nationaluniversität Quito und internationale Forschungspartner. Durch die Nähe zur feuchten Amazonasregion empfängt der Antisana erhebliche Niederschlagsmengen, was seine Akkumulationszone vergleichsweise gut versorgt — dennoch zeigt er insgesamt einen Rückzugstrend.

5. Sincholagua-Gletscher, Cotopaxi-Provinz

Der Sincholagua (4.893 m) liegt in der Nähe des Cotopaxi und trägt kleine Restgletscher auf seinen höchsten Flächen. Dieser Gipfel ist weniger bekannt als seine hohen Nachbarn, aber aus glaziologischer Sicht interessant, weil er die untere Grenze zeigt, bei der ecuadorianische Vulkane noch Eis tragen können. Der Sincholagua steht am Rand des Möglichen: Mit knapp unter 5.000 Metern sind seine Gletscher außerordentlich anfällig für Temperaturveränderungen.

6. Iliniza Sur-Gletscher, Cotopaxi-Provinz

Der Iliniza Sur (5.248 m) ist der südliche und höhere der beiden Iliniza-Gipfel und trägt einen kleinen, aber noch aktiven Gletscher auf seiner Südseite. Die Besteigung des Iliniza Sur ist eine der anspruchsvollsten in Ecuador und erfordert Gletscherausrüstung und alpine Erfahrung. Die Gletscherfläche hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verringert, und bei einem weiteren Erwärmungstrend ist es fraglich, wie lange dauerhaftes Eis auf diesem Gipfel erhalten bleiben kann.

7. Altar-Gletscher, Chimborazo-Provinz

El Altar (5.320 m) ist ein erodierter Vulkankrater mit einer charakteristischen kreisförmigen Felswand, in deren Inneren sich ein kleiner Kratersee und Gletscherreste befinden. Die Gletscher des Altar sind Reste einer einstmals größeren Gletscherbedeckung und liegen in den schroffen Couloirs der Kraterwände. Der Altar gilt als bergsteigertechnisch extrem schwierig und wurde erst 1963 erstmals vollständig bestiegen. Die Gletscherfragmente im Inneren des Kraters sind glaziologisch bedeutsam als Indikatoren des lokalen Klimatrends.

8. Tungurahua-Gletscher, Tungurahua-Provinz

Der Tungurahua (5.023 m) ist seit den späten 1990er Jahren einer der aktivsten Vulkane Ecuadors. Eruptionen und Aschefälle haben sowohl direkte Schmelzeffekte auf die Gletscher als auch indirekte — Aschebedeckung kann paradoxerweise Eis isolieren und vor Schmelze schützen. Die Gletscherfläche des Tungurahua ist heute sehr gering, teilweise als Folge der vulkanischen Aktivität selbst. Wissenschaftler beobachten das Zusammenspiel zwischen Vulkanismus und Gletscherschmelze auf diesem Vulkan besonders intensiv.

9. Sangay-Gletscher, Morona-Santiago-Provinz

Der Sangay (5.230 m) im östlicheren Teil der ecuadorianischen Anden ist einer der aktivsten Vulkane der Erde und Bestandteil des Sangay-Nationalparks, eines UNESCO-Weltnaturerbes. Der Gletscher liegt auf dem oberen Kegel des Vulkans und ist durch die anhaltende Eruptionsaktivität permanent bedroht. Die Abgelegenheit des Sangay macht direkte Beobachtungen schwierig; Satellitendaten sind die wichtigste Quelle für die Erfassung seiner Gletscherfläche.

10. Rucu Pichincha-Restgletscher, Pichincha-Provinz

Der Rucu Pichincha (4.696 m), unmittelbar westlich von Quito gelegen, trug bis ins 20. Jahrhundert kleine Gletscherreste. Diese sind heute verschwunden, aber die glazial geformten Cirques und Karreste am Gipfelbereich zeugen von einer früheren Vergletscherung. Als historischer Referenzpunkt für den Rückzug tropischer Gletscher auf niedrigeren Lagen ist der Pichincha bedeutsam. Messungen hier dienten frühen Forschern wie Charles-Marie de La Condamine im 18. Jahrhundert als Bezugspunkte für geodätische Berechnungen.