← Zurück zum Blog

Die 10 bedeutendsten Gletscher in Ostgrönland

Die Ostküste Grönlands ist eine der entlegensten Gletscherlandschaften der Welt. Anders als der Westen, wo Städte wie Ilulissat und Kangerlussuaq einen gewissen Infrastrukturzugang bieten, ist die gesamte Ostküste von Infrastruktur nahezu unberührt. Wenige Siedlungen — Tasiilaq im Süden, Ittoqqortoormiit im Norden — bilden die einzigen bewohnten Punkte auf Hunderten von Kilometern Küste. Hinter ihnen drängt das Grönländische Eisschild in gewaltigen Ausflussgletschern zum Meer, die in Fjorden kalben, über die kaum ein Tourist, aber viele Wissenschaftler nachdenken. Auf der Karte lässt sich die schiere Ausdehnung dieser Gletscherregion erahnen.

1. Kangerdlugssuaq-Gletscher, Ostküste

Der Kangerdlugssuaq-Gletscher ist einer der größten Ausflussgletschern des Grönländischen Eisschildes und mündet in den gleichnamigen Fjord an der Ostküste. Er zählt zu den schnellsten Fließgletschern Grönlands, mit Fließraten, die zeitweise über 40 Meter pro Tag erreicht haben. Der Gletscher hat in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich an Masse verloren — seine Zunge hat sich weit in den Fjord zurückgezogen, und die Calving-Rate hat Spitzenwerte erreicht, die erheblich zum globalen Meeresspiegelanstieg beitragen. Die Eiswand an seiner Kalbungsfront ist mehrere Kilometer breit und senkrecht abgebrochen.

2. Helheim-Gletscher, Sermilik-Fjord

Der Helheim-Gletscher mündet in den Sermilik-Fjord bei Tasiilaq und gehört zu den am besten überwachten Gletschern Grönlands. Sein Name stammt von der altnordischen Unterwelt, was angesichts seiner dynamischen Dramatik passend wirkt. Der Helheim ist ein Hauptuntersuchungsobjekt für die Frage, wie sich Ozeanerwärmung auf marine terminierende Gletscher auswirkt. Warmes atlantisches Zwischenwasser dringt in den Sermilik-Fjord ein und schmelzt die Unterwasserbasis des Gletschers — ein Prozess, der sein beschleunigtes Rückzugsverhalten ab den frühen 2000er Jahren erklären hilft.

3. Midgaard-Gletscher, Scoresby Sund

Der Midgaard-Gletscher fließt in den Scoresby Sund, das größte Fjordsystem der Erde. Dieser Gletscher ist Teil eines komplexen Netzwerkes von Ausflussströmen, die das Plateau des Geikie-Plateaus entwässern. Die Eisoberfläche des Midgaard ist durch intensive Spaltenbildung zerrissen, was auf die schnelle Fließdynamik hindeutet. Die umliegende Landschaft — steil aufragende Basaltklippen und die weite Fjordlandschaft des Scoresby Sund — gehört zu den spektakulärsten glazialen Umgebungen Grönlands.

4. Daugaard-Jensen-Gletscher, Scoresby Sund

Der Daugaard-Jensen-Gletscher mündet am Ende des Nordfjords im Scoresby-Sund-System und ist einer der mächtigsten Gletscher Ostgrönlands. Seine Kalbungszone produziert große Tafeleisberge, die durch das Fjordsystem driften. Der Gletscher war Gegenstand früher dänisch-grönländischer Expeditionen und trägt den Namen des dänischen Marineobersten und Polarforschers Johan Peter Koch-Expeditionsbegleiters Christian Daugaard-Jensen. Aktuelle Satellitendaten zeigen eine Beschleunigung seiner Fließgeschwindigkeit in jüngster Zeit.

5. Rolige-Bræ-Gletscher, Kong-Oscar-Fjord

Der Rolige Bræ — das dänische Wort für einen ruhigen Gletscher — liegt am Kong Oscar Fjord nördlich des Scoresby Sund. Trotz seines Namens zeigt er eine beachtliche Dynamik und calvert in den Fjord. Die Region um den Kong Oscar Fjord ist außerordentlich reich an Gletschern, die aus den umliegenden Plateaus herunterfließen. Die Kombination aus Basaltmesetas, Eisfeldern und tiefen Fjorden macht diese Region zu einer der glazial-landschaftlich reichsten Ostgrönlands.

6. Vestfjord-Gletscher, Franz-Josef-Fjord

Der Vestfjord-Gletscher mündet in den Franz-Josef-Fjord, einem der wildromantischsten Fjordsysteme Ostgrönlands. Dieser Gletscher wurde bereits von frühen deutschen und dänischen Expeditionen des späten 19. Jahrhunderts beobachtet und beschrieben. Die historischen Berichte belegen, dass der Gletscher damals weiter ins Fjordsystem hineinreichte als heute. Die dramatischen roten Sandsteinformationen des Franz-Josef-Fjords — Reste des Devonischen Sandsteinbeckens — bilden den geologischen Rahmen für diesen aktiven Fjordgletscher.

7. Wiedemann-Gletscher, Ammassalik-Region

Der Wiedemann-Gletscher liegt in der Nähe von Tasiilaq (Ammassalik) und ist einer der wenigen ostgrönländischen Gletscher, die von der einzigen bedeutenden Siedlung an der Ostküste aus einigermaßen zugänglich sind. Lokale Expeditionsunternehmen bieten Touren in diese Gletscherregion an. Der Gletscher fließt aus dem Inlandeis herunter und endet in einer Bucht, die sich bei Ebbe durch aufgelaufene Eisberge und Kalbungsblöcke auszeichnet.

8. Adolf-Jensen-Gletscher, Nordostgrönland

Im Nordostgrönland-Nationalpark — dem größten Nationalpark der Welt — liegt der Adolf-Jensen-Gletscher, Teil der ausgedehnten Gletscherflächen der Dove-Bucht und des Hochlands nördlich des Scoresby Sund. Diese Region ist so abgelegen, dass selbst Satellitenmessungen lange Zeit die einzige Methode zur Bestandsaufnahme waren. Der Gletscher wurde nach dem dänischen Geographen Adolf Severin Jensen benannt und ist Bestandteil eines kaum erforschten Gletscherkomplexes im Nationalpark.

9. Sortebræ-Gletscher, Blosseville-Küste

Der Sortebræ-Gletscher an der Blosseville-Küste ist ein bekannter Surge-Gletscher, der in unregelmäßigen Abständen dramatische Beschleunigungsphasen durchläuft. Während eines solchen Surge im Jahr 1992 bis 1995 schoss der Gletscher mit ungewöhnlicher Geschwindigkeit vor und produzierte eine auffällig zerklüftete, gefaltete Eisoberfläche, die auf Satellitenbiltern deutlich sichtbar war. Surge-Gletscher sind an der Ostküste Grönlands häufiger als im globalen Durchschnitt, was mit der Geologie des Untergrunds und der Dicke des Eises zusammenhängen dürfte.

10. Thrym-Gletscher, Südostgrönland

Der Thrym-Gletscher liegt im Südosten Grönlands, einer Region, die besonders hohe Schneefälle aus atlantischen Tiefdrucksystemen empfängt. Die hohen Akkumulationsraten machen das südöstliche Grönland zu einem der schnellsten Eisschilde der Nordhalbkugel in Bezug auf Massenzufuhr — und gleichzeitig zu einer Region intensiver Kalbungsaktivität. Der Thrym mündet in einen kleinen Fjord und produziert Eisberge, die in die Dänemarkstraße driften.