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Die 10 bedeutendsten Gletscher Kolumbiens

Kolumbien liegt fast vollständig in den Tropen, doch seine Kordillerengipfel über 4.800 Metern tragen noch immer Gletscher — eine glaziologische Besonderheit, die in dieser Breitenzone weltweit selten ist. Diese Tropengletschern sind stark exponiert gegenüber dem Klimawandel: Die Schmelzrate auf kolumbianischen Gletschern übertrifft jene in den meisten gemäßigten Klimazonen deutlich, und mehrere Eisfelder, die im 20. Jahrhundert noch bedeutende Gletscheroberflächen hatten, sind heute vollständig verschwunden.

Das Instituto de Hidrología, Meteorología y Estudios Ambientales (IDEAM) Kolumbiens verfolgt den Zustand der verbliebenen Gletscher mit jährlichen Messungen und Satellitenauswertungen. Die Bilanz ist eindeutig: Kolumbiens Gletscher verlieren jährlich an Fläche, und ohne drastische globale Emissionsreduktionen werden die meisten von ihnen bis Mitte des 21. Jahrhunderts verschwunden sein. Die Gletscherkarte zeigt die aktuell bekannten Positionen der Eisfelder in den kolumbianischen Kordilleren.

1. Nevado del Ruiz, Zentralkordillere

Der Nevado del Ruiz (5.321 m) ist der größte aktive Vulkan Südamerikas und trägt die bedeutendste Gletscherkappe Kolumbiens. Der Gletscher auf dem Ruiz ist berüchtigt durch die Katastrophe vom 13. November 1985, als ein vulkanischer Ausbruch das Gletschereis teilweise schmolz und eine Lahar — eine Mischung aus Schmelzwasser und vulkanischem Schutt — das Tal des Río Lagunillas hinabströmte und die Stadt Armero vollständig begrub. Über 23.000 Menschen kamen ums Leben. Der Ruiz-Gletscher wird heute von Vulkanologen des SGC (Servicio Geológico Colombiano) permanent überwacht.

2. Nevado de Santa Isabel, Zentralkordillere

Der Nevado de Santa Isabel (4.965 m) war der dritthöchste Gletscher Kolumbiens und liegt im Los Nevados National Natural Park. Sein Gletscher ist in den vergangenen Jahrzehnten so dramatisch zurückgegangen, dass der Berg von einigen Glaziologen als de facto entgletscht betrachtet wird. Kleine Eisreste halten sich noch an der höchsten Zone, aber es ist unklar, ob diese auf Dauer stabil bleiben können.

3. Nevado del Tolima, Zentralkordillere

Der Nevado del Tolima (5.215 m) ist ein ikonischer Kegelberg in der kolumbianischen Zentralkordillere und trägt noch immer einen kompakten Gletscherhut an seinem Gipfel. Der Aufstieg auf den Tolima ist eines der beliebtesten Bergsteigerabenteuer Kolumbiens und endet mit einer kurzen Route über vergletschertes Terrain. Der Gletscher am Tolima ist kleiner als jene am Ruiz oder Huila, zeigt aber ähnliche Rückzugstendenzen.

4. Nevado del Huila, Zentralkordillere

Der Nevado del Huila (5.364 m) ist der höchste Vulkan Kolumbiens und der höchste Gipfel der Zentralkordillere. Sein Gletschersystem ist das zweitgrößte Kolumbiens und speist Nebenflüsse des Río Páez und des Río Simbola. Vulkanische Aktivität am Huila in den Jahren 2007 bis 2009 löste mehrere Lahare aus, die Täler im Cauca-Departement überfluteten.

5. Sierra Nevada del Cocuy, Ostkordillere

Die Sierra Nevada del Cocuy in der Ostkordillere ist das größte Gletschersystem Kolumbiens und das einzige bedeutende Eisfeld außerhalb der Vulkankordillere. Die Berggruppe hat mehrere Gipfel über 5.000 Metern und war noch bis in die frühen 2000er Jahre für ihre umfangreichen Gletscher bekannt. Der Zugang zu diesem Gletschertrekking-Gebiet war mehrere Jahre lang aus Sicherheits- und Kulturschutzgründen eingeschränkt; seit 2020 ist er für bestimmte Zonen wieder möglich.

6. Ritacuba Blanco, Sierra Nevada del Cocuy

Ritacuba Blanco (5.410 m) ist der höchste Gipfel der Sierra Nevada del Cocuy und gilt als der technisch anspruchsvollste Gletscheraufstieg Kolumbiens. Der Gletscher am Ritacuba Blanco gehört zu den wenigen verbliebenen Eisfeldern der Ostkordillere, die noch eine zusammenhängende Schnee- und Eiszone haben. Bergsteiger aus Kolumbien und dem Ausland zieht dieser Gipfel als alpines Abenteuer an.

7. Nevado del Cisne, Sierra Nevada del Cocuy

Der Nevado del Cisne liegt südlich des Ritacuba Blanco in der Cocuy-Gruppe. Er ist wie die meisten Gipfel der Gruppe durch Trekking-Camps auf mehreren Tagen erreichbar und bietet Panoramen über die Eisfelder der Ostkordillere. Die Gemeinschaft der indigenen U'wa betrachtet die Cocuy-Gletschergipfel als heilige Stätten.

8. Puntiagudo, Sierra Nevada del Cocuy

Puntiagudo (5.200 m) ist einer der südlicheren Gipfel der Cocuy-Gruppe und trägt trotz seiner Südlage noch kleine Gletscherreste. Der Name — "der Spitze" auf Spanisch — spiegelt die schlanke Gipfelform wider, die für den Cocuy charakteristisch ist. Die Gletscher hier sind deutlich kleiner als die Nordrücken-Gletscher der Gruppe.

9. Nevado del Quindío, Zentralkordillere

Der Nevado del Quindío (5.150 m) liegt im gleichen Nationalpark wie der Santa Isabel und der Tolima und ist ebenfalls einer der Gipfel, deren Gletscherbedeckung in den vergangenen Jahrzehnten stark abgenommen hat. Historische Vermessungen aus dem 19. Jahrhundert zeigen, dass die Gletscher des Quindío einst wesentlich tiefer ins Tal hinunterreichten als heute.

10. Pan de Azúcar, Sierra Nevada del Cocuy

Pan de Azúcar — auf Deutsch "Zuckerhut" — ist einer der markantesten Gipfel der Cocuy-Gruppe und trägt an seiner Nordseite kleine Gletscherreste. Der Gipfel ist von der Cocuy-Trektingbasis in mehreren Stunden erreichbar und bietet einen Aussichtspunkt über die gesamte Gletscherlandschaft des Parks. Der Gletscherrückgang am Pan de Azúcar ist in historischen Fotos anschaulich dokumentiert.