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Top 10 Gletscher in Argentinien

Patagonien beherbergt eines der größten außerpolaren Eissysteme der Erde. Das Südpatagonische Eisfeld erstreckt sich über rund 12 200 Quadratkilometer entlang der chilenisch-argentinischen Grenze; auf argentinischer Seite schiebt es Dutzende Talgletscher nach Osten in die Seen des Nationalparks Los Glaciares. El Calafate in der Provinz Santa Cruz ist der Standardausgangspunkt — gut angebunden durch Linienflüge ab Buenos Aires und Bariloche.

1. Perito Moreno, Los Glaciares Nationalpark

Der bekannteste Gletscher Argentiniens ist einer der wenigen der Welt, der nicht oder kaum rückläufig ist. Perito Moreno hat eine Kalbungsfront von 5 Kilometer Breite und bis zu 70 Metern Höhe über dem Wasserspiegel des Canal de los Témpanos. Das Eis bewegt sich mit durchschnittlich 1,5 bis 2 Metern pro Tag nach vorne. Die Gletscherzunge berührt regelmäßig die Halbinsel Magallanes gegenüber und staut die Verbindung zwischen dem Südarm des Lago Argentino ab; der hydraulische Druck sprengt die Eisbarriere spektakulär auf. Besucherweg: Steg- und Terrassensystem ab dem Parkzentrum, 80 Kilometer von El Calafate.

2. Upsala, Los Glaciares Nationalpark

Upsala ist der flächenmäßig größte argentinische Gletscher: rund 870 Quadratkilometer, 60 Kilometer Länge. Er zieht sich mit mehr als 200 Metern pro Jahr zurück — einer der schnellsten Rückzüge in Patagonien. Die einzige Zugang erfolgt per Boot ab Puerto Banderas; die Kalbungsfront ist wegen Treibeisdichte nur von Weitem fotografierbar.

3. Spegazzini, Los Glaciares Nationalpark

Weniger bekannt als Perito Moreno, aber eindrucksvoll durch die schiere Höhe seiner Kalbungsfront: bis zu 135 Meter über Wasser, die höchste im Nationalpark. Talgletschertyp, über 25 Kilometer lang. Zugang nur per Boot ab Puerto Banderas, kombinierbar mit einer Upsala-Tour.

4. Viedma, Los Glaciares Nationalpark

Viedma mündet in den Lago Viedma am Fuß des Cerro Fitz Roy-Massivs. Rund 950 Quadratkilometer Fläche machen ihn zu einem der größten Talgletscher Argentiniens. Trekking-Anbieter wie Chalten Travel führen Eis-Wanderungen auf die Gletscherzunge — Ausgangspunkt El Chaltén, Fahrt per Boot auf dem Lago Viedma.

5. Onelli, Los Glaciares Nationalpark

Drei Gletscher münden gemeinsam in die Onelli-Bucht am Ende eines langen Fjords: Agassiz, Bolados und Onelli selbst. Die Szene ist malerisch durch treibende Eisberge im blauen Wasser. Per Boot ab Puerto Banderas erreichbar; Wanderpfad am Seeufer eingeschlossen.

6. Mayo, Los Glaciares Nationalpark

Kleinerer Talgletscherarm im nördlichen Teil des Parks, wenig besucht und deshalb ruhiger als die Hauptattraktionen. Rückzug von etwa 50 Meter pro Jahr dokumentiert. Per Boot und kurzem Fußweg erreichbar.

7. Frías, Los Glaciares Nationalpark

Frías liegt nördlich des Lago Argentino-Systems und ist Ausgangspunkt für fortgeschrittene Trekking-Querungen. Das Eis ist von blauschwarzem Kareis geprägt, das von beiden Seiten der Bergwände zusammenfließt. Zugang ab El Calafate über unbefestigte Straße.

8. Castaño Overa, Lanín Nationalpark

Abseits von Patagonien, in der nördlicheren Andenregion rund um den Vulkan Lanín: Castaño Overa ist ein Kargletschertyp an der Ostflanke des Vulkans. Erreichbar per Wanderweg ab dem Lanín-Parkeingang bei Junín de los Andes. Der Kraterrand des Lanín selbst (3747 m) ist bei gutem Wetter mit Bergführer besteigbar.

9. Marconi, Los Glaciares Nationalpark

Der Marconi-Gletscher ist der Zugang zum patagonischen Eisfeld für Trekker, die die Querung von Ost nach West anstreben — Ausgangspunkt der legendären Ruta Marconi. Steileis mit Spaltenterrain; nur für erfahrene Bergsteiger mit Führung.

10. Nef, Aysen (Grenzgebiet)

Knapp auf chilenischer Seite, aber für Reisen ab El Calafate und der Carretera Austral logistisch relevant: Der Nef-Gletscher im Reserva Nacional Cerro Castillo ist einer der weniger erforschten Ausläufer des Nördlichen Patagonischen Eisfelds. Flug- oder Schiffs-Zugang ab Coyhaique.

Basis El Calafate

Alle wichtigen Gletscher im Nationalpark Los Glaciares sind über El Calafate erreichbar. Von Buenos Aires aus fliegen Aerolíneas Argentinas und LATAM direkt; die Flugzeit beträgt rund drei Stunden. Von El Calafate fahren Busse und gebuchte Touren zu den Boots-Piers und Nationalpark-Eingängen. Für El Chaltén — Ausgangspunkt des Cerro Fitz Roy-Trekking und Viedma-Touren — sind weitere drei Stunden Busfahrt einzuplanen.

Beste Reisezeit

November bis März ist die Hauptsaison in Patagonien: längere Tageslichtstunden (bis 22 Uhr im Januar), geöffnete Bootverbindungen und geführte Touren. Oktober und April sind Schultern — ruhiger, günstiger, wetterbedingt aber weniger berechenbar. Patagonischer Wind ist berühmt und nicht übertrieben gefürchtet: Windgeschwindigkeiten von 80 bis 100 km/h sind in El Calafate im Frühjahr keine Seltenheit.

Perito Moreno: die Eisbarriere

Das außergewöhnlichste Phänomen am Perito Moreno ist die periodische Eisbarriere. Die Gletscherzunge berührt die Halbinsel Magallanes und trennt den Südarm des Lago Argentino vom Rest des Sees. Das Wasser im Südarm steigt um 30 bis 40 Meter an, bis der hydraulische Druck eine Eishöhle in die Basis der Barriere nagt und sie spektakulär aufsprengt. Dieses Ereignis — la ruptura — ist nicht berechenbar, hat sich aber zuletzt mehrfach im Abstand von ein bis drei Jahren ereignet. Die letzten großen Rupturen waren 2018 und 2023. Wer sie erlebt, sieht Eisblöcke von Häuserblockgröße kollabieren.

Trekking im Los Glaciares Nationalpark

Der Nationalpark Los Glaciares ist in zwei Teile gespalten, die nicht auf direktem Landweg verbunden sind. Der Südteil (mit Perito Moreno, Upsala, Spegazzini) ist von El Calafate erreichbar. Der Nordteil (mit dem Cerro Fitz Roy-Massiv und dem Viedma-Gletscher) ist von El Chaltén aus zugänglich. El Chaltén liegt 220 Kilometer von El Calafate entfernt; Busverbindung zweimal täglich, Fahrzeit drei Stunden.

Das Trekking-Netz rund um Fitz Roy und Cerro Torre ist eines der besten Südamerikas: kurze bis mehrtägige Routen auf gutem Wegpfad, Gratiskampieren auf offiziellen Campingplätzen, und Viewpoints auf zwei der spektakulärsten Felstürme der Welt. Für den Viedma-Gletscher: Bootsfahrt auf dem Lago Viedma ab El Chaltén, dann geführter Ice-Trek auf der Gletscheroberfläche (Halbtagestour mit Steigeisen, rund 80 USD, buchbar vor Ort).

Fauna rund um die Gletscher

Patagoniens Gletscherregionen sind nicht nur durch Eis bemerkenswert. An den Ufern der Gletscherseen und Fjorde des Nationalparks Los Glaciares lebt eine reiche Tierwelt. Andenkondore kreisen auf Thermiken über den Moränen; ihr Flügelspann von bis zu 3,1 Metern macht sie unverwechselbar. Patagonische Pumas — seltener zu sehen, aber im Park präsent — jagen Guanakos auf den Steppengrasebenen nahe der Gletschervorfelder. Flamingokolonien am Lago Argentino und am Lago Viedma bieten einen unerwarteten Kontrast zu Eislandschaften. In den Wäldern zwischen Gletschermoränen und Steppe sind Huemul — eine bedrohte Hirschart — und Patagonischer Graufuchs häufig anzutreffen.

Die interaktive Karte zeigt alle Gletscher Argentiniens georeferenziert.