Die besten geführten Gletscherwanderungen in Nordamerika
Nordamerika besitzt einige der eindrucksvollsten Gletscherlandschaften der Welt. Alaska allein beherbergt mehr als hunderttausend Gletscher, die kanadischen Rockies sind von Eisfeldern durchzogen, und selbst im kontinentalen Norden der USA finden sich noch bedeutende Gletscher im Glacier-Nationalpark in Montana und im North-Cascades-Nationalpark in Washington. Geführte Gletschertouren in diesem Teil der Welt reichen von familienfreundlichen Halbtagstouren auf dem Athabasca-Gletscher bis zu mehrtägigen Expeditionen auf dem Denali-Gletscher in Alaska — einem der anspruchsvollsten Bergsteigerziele der Welt.
Was Nordamerika besonders auszeichnet, ist die Bandbreite: Hier lässt sich ein Gletscher vom Tourbus aus erreichen oder per Hubschrauber anlanden, per Seekajak anbeifahren oder per Skidoo durchqueren. Die Infrastruktur für Gletschertourismus ist auf dem Kontinent gut entwickelt, und das Netz zertifizierter Bergführer entspricht internationalen Standards.
Athabasca-Gletscher, Alberta, Kanada
Der Athabasca-Gletscher ist der meistbesuchte Gletscher Nordamerikas. Er liegt am Icefields Parkway zwischen Banff und Jasper und ist von der Parkstraße in wenigen Minuten erreichbar. Die Columbia Icefield Discovery Centre bieten geführte Touren auf dem Eis an — von kurzen Spaziergängen in Steigeisen bis zu mehrstündigen Touren, die Crevassensysteme und Schmelzwasserkanäle zeigen. Der Gletscher ist Teil des Columbia Icefield, eines der größten subpolaren Eisfelder der Welt außerhalb der Polarregionen, und drainiert Wasser in drei verschiedene Ozeane.
Exit-Gletscher, Alaska, USA
Der Exit-Gletscher im Kenai-Fjords-Nationalpark ist einer der wenigen Gletscher in Alaska, die zu Fuß von einer Straße aus erreichbar sind. Das Besucherzentrum des Nationalparks bietet ranger-geführte Wanderungen zur Gletscherzunge an. Für Gletschertouren auf das Eis selbst sind lokale konzessionierte Guides erforderlich. Die Umgebung — Kenai-Fjords-Nationalpark, Resurrection Bay, Chance für Orca- und Walbeobachtungen — macht diese Region zu einem der vollständigsten Naturerlebnisse Alaskas.
Mendenhall-Gletscher, Alaska, USA
Der Mendenhall-Gletscher bei Juneau ist der wahrscheinlich meistfotografierte Gletscher Alaskas. Er mündet in einen See direkt am Rand der Stadt Juneau und ist mit dem Stadtbus erreichbar — ein weltweit einzigartiges Gletschererlebnis. Geführte Eishöhlentouren durch die Moulins und subglazialen Kanäle des Mendenhall sind bei Kreuzfahrtpassagieren extrem beliebt; Buchungen sollten Monate im Voraus erfolgen. Ein ortskundiger Guide ist unverzichtbar, da das Innere des Gletschers ohne Kenntnisse gefährlich ist.
Root-Gletscher, Alaska, USA
Der Root-Gletscher im Wrangell-St. Elias-Nationalpark ist einer der wenigen blauen Gletscher Alaskas, die vergleichsweise schuttfrei und damit leicht begeh- und erkletterbar sind. Das Städtchen Kennicott — eine restaurierte Bergbaustadt aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert — dient als Ausgangspunkt. Von dort führt ein kurzer Wanderweg direkt auf den Gletscher; Steigeisen sind empfohlen. Mehrstündige Führungen durch die Eisbrüche und Crevassensysteme des Root-Gletschers werden von lokalen Guides angeboten und gelten als eines der ursprünglichsten Gletschererlebnisse in Nordamerika.
Franz-Josef-Glacier-Analoga in Alaska: Matanuska-Gletscher
Der Matanuska-Gletscher liegt nur zweihundert Kilometer nördlich von Anchorage und ist einer der wenigen großen Talgletscher in Alaska, der ganzjährig mit einem normalen Mietfahrzeug erreichbar ist. Der Highway läuft parallel zur Gletscherzunge, und private Landbesitzer am Rand des Gletschers bieten selbst Eiszugänge an — eine Kuriosität, die die genehmigungsfreie Zugänglichkeit in Alaska widerspiegelt. Mehrere Tour-Anbieter in Anchorage und Wasilla organisieren Ganztagesausflüge mit professionellen Guides.
Emmons-Gletscher, Washington, USA
Der Emmons-Gletscher am Mount Rainier ist der flächenmäßig größte Gletscher der kontinentalen USA außerhalb Alaskas. Der Mountain ist ein aktiver Vulkan mit einer komplexen Gletscherkappe; geführte Aufstiege auf den Emmons über die Schurman Route werden von autorisierten Bergsteigerunternehmen angeboten. Dies ist keine Familientour, sondern eine ernsthafte Bergtour mit technischen Anforderungen — Steigeisen, Eisaxt, Kenntnis der Seilschaft sind Voraussetzung.
Gulkana-Gletscher, Alaska, USA
Der Gulkana-Gletscher im Alaska Range ist einer der am intensivsten beforschten Gletscher der USA — das United States Geological Survey (USGS) betreibt hier seit den 1960er Jahren kontinuierliche Massenbilanzstudien. Er ist per Helikopter oder mehrtägigem Trekking erreichbar. Bergsteiger, die die Abgeschiedenheit Alaskas suchen, finden im Gulkana eine weniger überlaufene Alternative zu den berühmteren Zielen.
Glacier-Nationalpark, Montana, USA
Der Glacier-Nationalpark ist trotz seines Namens inzwischen für wenige verbleibende Gletscher bekannt — von ursprünglich über hundertfünfzig Gletschern zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts sind heute weniger als dreißig übrig. Grinnell-Gletscher ist per Wanderung erreichbar und einer der schönsten. Ranger-geführte Wanderungen bieten wissenschaftliche Einblicke in den Gletscherschwund und die Ökologie des Gletschervorfelds. Der Park ist ein eindrückliches Freiluftlabor für den Klimawandel.
Tipps für die Buchung
Geführte Gletschertouren in Nordamerika sollten über zertifizierte Anbieter gebucht werden — in den USA über von Nationalparks konzessionierte Unternehmen, in Kanada über akkreditierte Bergführervereine. Steigeisen, Helme und in vielen Fällen Eispickel werden gestellt. Kleidung sollte der Gletscherumgebung angepasst sein: Merino-Unterkleidung, wind- und wasserdichte Außenschicht, festes Schuhwerk.
Alle hier genannten Gletscherziele sowie weitere nordamerikanische Standorte sind auf der interaktiven Karte verzeichnet. Die Karte hilft bei der geografischen Einordnung und zeigt die Verteilung der Gletschersysteme auf dem Kontinent.
Nordamerikas Gletscher ziehen sich zurück, manche schneller als andere. Wer sie besuchen will, sollte dies nicht auf später verschieben — viele der heute zugänglichen Gletscherzungen werden in einigen Jahrzehnten nicht mehr existieren.