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Die besten geführten Gletscherwanderungen in Europa

Europa besitzt einige der bekanntesten und am besten zugänglichen Gletscher der Welt. Von den riesigen Eisfeldern Islands über die Gletscherarenen der Alpen bis zu den Fjordgletschern Norwegens bietet der Kontinent Eiswandererlebnisse für alle Erfahrungsstufen. Wer einen Gletscher nicht nur von der Ferne betrachten, sondern ihn wirklich betreten will, findet in Europa ein dichtes Netz zertifizierter Bergführer und spezialisierter Gletschertourenanbieter.

Geführte Gletschertouren sind weit mehr als Spaziergänge auf Eis. Ein guter Guide erklärt die Entstehung von Crevassen, zeigt Moulins und Schmelzwasserkanäle, lehrt den richtigen Umgang mit Steigeisen und macht aus einem Ausflug eine glaziologische Bildungsreise. Gleichzeitig gewährleistet professionelle Führung die Sicherheit auf einem Terrain, das für Ungeübte erhebliche Risiken birgt.

Vatnajökull, Island

Der Vatnajökull ist der flächenmäßig größte Gletscher Europas und bedeckt etwa acht Prozent der Landfläche Islands. Geführte Touren starten von mehreren Gletscherzungen, die vom Haupteisfeld abfließen — besonders beliebt sind Svínafellsjökull und Falljökull im Südosten der Insel, beide gut vom Ring Road aus erreichbar. Touren dauern zwischen zwei und acht Stunden, Steigeisen und Helme werden von den Anbietern gestellt. Das Eis des Vatnajökull ist von blauem Gletschereis durchzogen, bietet bizarre Eistürme (Seracs) und faszinierende schwarze Lavaaschebänder — Zeugen der vulkanischen Vergangenheit unter dem Eis.

Mer de Glace, Frankreich

Der Mer de Glace im Mont-Blanc-Massiv ist der längste Gletscher Frankreichs und eines der bekanntesten Gletscherziele der Alpen. Zustieg über die Zahnradbahn von Chamonix zur Montenvers-Station, von dort per Gondel oder Treppenabstieg auf das Eis. Geführte Eishöhlen-Erkundungen und Gletschertouren werden von mehreren Anbietern in Chamonix angeboten. Der Gletscher hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich zurückgezogen — Markierungen an den Felsen zeigen, wo die Oberfläche in früheren Jahrzehnten lag, eine eindrückliche visuelle Dokumentation des Klimawandels.

Aletschgletscher, Schweiz

Der Große Aletschgletscher in der UNESCO-Welterberegion Jungfrau-Aletsch ist der längste Gletscher der Alpen. Geführte Touren starten von Märjelen oder Riederalp und führen über Firn und Blaueis durch das beeindruckende Gletschertal. Die Sicht vom Jungfraujoch auf den Gletscherbeginn ist unvergesslich. Bergführer aus den Orten Fieschertal und Brig bieten professionell geführte Halbtages- und Ganztagestouren an, die auch ohne Vorkenntnisse durchführbar sind.

Rhonegletscher, Schweiz

Der Rhonegletscher an der Gotthardroute ist für seine Zugänglichkeit bekannt: Die Gletscherzunge ist vom Furkapass aus in kurzer Wanderzeit erreichbar. Unter einem Schutztuch aus Flies-Material versuchen die Betreiber der nahe gelegenen Anlagen, den Abtrag zu verlangsamen — ein medienwirksames Symbol des Gletscherschwundes. Eine einstündige geführte Tour direkt auf dem Eis bietet Einblick in Schmelzwasserkanäle, Moulins und die Eisstruktur. Für Familien mit Kindern ist dieser Gletscher einer der geeignetsten Einstiegspunkte in die Welt des Gletschereises.

Gornergletscher, Schweiz

Der Gornergletscher bei Zermatt ist nach dem Aletsch der zweitgrößte Gletscher der Alpen. Vom Gornergrat aus bietet sich ein überwältigender Panoramablick auf das Gletschersystem und das Monte-Rosa-Massiv. Mehrstündige geführte Touren auf das Gletscherplateau sind von Zermatt aus buchbar; die hohe Lage — die Zunge beginnt auf über zweitausendfünfhundert Metern — macht diesen Gletscher auch im Sommer zu einem Erlebnis in echter Hochgebirgsatmosphäre.

Pasterze, Österreich

Die Pasterze am Fuß des Großglockners ist der längste Gletscher Österreichs und mit dem Großglockner Hochalpenstraße exzellent erreichbar. Vom Kaiser-Franz-Josefs-Höhe führt ein markierter Weg zur Gletscherzunge, geführte Touren auf das Eis werden von akkreditierten Bergführern der Region angeboten. Die jüngst veröffentlichten Messreihen des Wiener Zentralanstalt für Meteorologie zeigen den kontinuierlichen Rückzug der Pasterze über mehr als ein Jahrhundert — ein wissenschaftliches Dokument, das am Gletscher selbst hautnah nachvollzogen werden kann.

Briksdalsbreen, Norwegen

Briksdalsbreen ist eine der bekanntesten Gletscherzungen des Jostedalsbreen-Nationalparks in Westnorwegen. Der Zugang per Pferdebusse oder zu Fuß durch das malerische Tal ist gut erschlossen. Geführte Gletscherwanderungen bieten mehrstündige Touren auf Steigeisen über das Blaueis des Gletschers, umgeben von steilen Fjordfelsen und tosenden Wasserfällen. Der Jostedalen-Gletscher insgesamt ist das größte kontinentale Eisfeld Europas außerhalb Islands; Briksdalsbreen ist seine bekannteste und meistbesuchte Gletscherzunge.

Nigardsbreen, Norwegen

Auch Nigardsbreen ist eine Gletscherzunge des Jostedalsbreen und liegt im Jostedalen-Tal in der Nähe von Gaupne. Sie ist für ihre dramatische Erscheinung bekannt: Steilwände aus blauem Eis, die sich über dem Gletschersee Nigardsbrevatnet türmen. Geführte Familientouren, Klettertouren auf Eistürme und mehrstündige Traversierungen werden von spezialisierten Anbietern vor Ort angeboten. Nigardsbreen gilt vielen Gletscherführern als eine der schönsten Gletscherzungen Europas.

Auf der Karte erkunden

Alle genannten Gletscher sowie viele weitere europäische Gletscherziele sind auf der interaktiven Karte verzeichnet, mit Angaben zu Lage und Erreichbarkeit. Die Karte ist ein guter Ausgangspunkt für die Planung einer Gletschertour — ob in den Alpen, in Skandinavien oder auf Island.

Worauf es bei der Wahl eines Gletschertouren-Anbieters ankommt

Nicht alle Anbieter sind gleich. Seriöse Gletschertouren werden von staatlich geprüften Bergführern mit UIAGM-Zertifizierung durchgeführt. Ausrüstung — Steigeisen, Helm, Eispickel — sollte inklusive sein. Die Gruppe sollte nicht zu groß sein; sechs bis acht Personen pro Guide ist ein guter Richtwert. Buchungen direkt über lokale Bergführervereine oder akkreditierte Bergsteigerschulen sind einer Online-Buchungsplattform ohne Ortskenntnisse vorzuziehen.

Gletscher verändern sich rasant. Touren, die vor fünf Jahren auf einem bestimmten Gelände möglich waren, können heute wegen veränderter Bedingungen angepasst worden sein. Ein guter Guide kennt seinen Gletscher und reagiert auf die aktuellen Verhältnisse.